Der Verein

Die Geschichte des T S V 08 Hemfurth Edersee

Die Umwandlung von Natur und Technik kann meines Erachtens keine unwesentliche Rolle gespielt haben. Gerade die Jahreszahlen 1908, 1913 und 1928 bestätigen meine Auffassung. In der Gemeinde Hemfurth wohnten um die Jahrhundertwende ca. 400 Einwohner deren Bürger der Erwerb in Land- und Forstwirtschaft nachgingen. Wie in allen anderen Dörfern gab es außer einigen Handwerksbetriebe – die überwiegend als Familienbetriebe arbeiteten -, keine Industrie . Es mußte hart und lange gearbeitet werden . Eine geregelte Arbeitszeit gab es nicht. Die Arbeit begann bei Tagesanbruch und endete bei Einbruch der Dunkelheit. Für Freizeitgestaltung mit Sportlicher Betätigung gab es keine Zeit. Nach dem der Preußische Staat den Bau der Edertalsperre beschlossen hatte, wurde 1908 mit dem Bau begonnen. Neue Arbeitsplätze wurden geschaffen ,mit den Baufirmen kam technisches Personal ,die ihre Familien nachkommen ließen .Die Gemeinde Edersee wurde gegründet Deren Name wurde später im Vereinsname mit eingebracht Durch festgesetzte Arbeitszeiten wurde mehr Freizeit geschaffen. Mangelware war allerdings das Freizeitangebot. Noch im selben Jahr 1908 wurde der

„Burschenverein Edergold Hemfurth“

gegründet . Als 1. Vorsitzender wurde Chr. Gerlach gewählt . Als Sportart hatte man sich das Turnen ausgewählt, Das nächste entscheidende Datum war der 11.Jan. 1913 . An diesem Tage wurde in einer Versammlung der „Burschenverein Edergold“ in „Turnverein Hemfurth“ umbenannt. Dem Turnverein gehörten 38 Mitglieder an. Das Vermögen des Burschenvereins wurde von Turnverein übernommen. In einer weiteren Versammlung am 16.Jan. 1913 gab sich der Verein erstmals eine eigene Satzung und es wurden regelmäßig Übungsabende abgehalten Als Vorsitzender wurde Lehrer Danz gewählt ,der dieses Amt bis 1914 begleitete . Danz war gleichzeitig Vorsitzender und Chorleiter des 1898 gegründeten „Gesangvereins Hemfurth“ zu den in allen Jahren gute Verbindungen bestanden . In diese Zeit wurden die ersten Turnfeste besucht . Turngeräte wurden angeschafft Da nicht genügend Geld vorhanden war ,mußte man einen Kredit bei der Darlehenskasse aufnehmen . Ende 1913 wurden die ersten Ballspiele abgehalten .Man betätigte sich auch auf musikalischem Gebiet, 1914 wurden Trommeln und Pfeifen angeschafft .Der 1.Weltkrieg machte auch vor dem Turnverein Hemfurth keinen Halt. Nach einem Schreiben des Landesdirektors mußten in den Turnstunden militärische Übungen abgehalten werden .Diese Übungen wurden vom Wachtmeister Unwein beaufsichtigt Von 1916 – 1919 ruhte durch die Kriegswirren jeglicher Sportbetrieb. 1919 wurde der Sportbetrieb wieder aufgenommen. Die Musiker unter den Sportlern griffen wieder zu ihren Instrumenten. In den Jahren 1922-28 wurden immer wieder Turnfeste besucht. Innerhalb des Vereins wurde eine Musikkapelle gegründet, die Hemfurther Hauskapelle. Diese Kapelle wurde in den aktiven Turnern Heinrich Simshäuser, Wilhelm Böhle, Wilhelm Witte und Heinrich Brüne betrieben.

Wunschtraum vieler Fußballfreunde wurde am 1. September 1928 war, man gründete den „Sport – Club Hemfurth“. Vorsitzender wurde Christian Becker. Als Vereinsfarben wurden Blau und Weiß gewählt. Somit geht es nun zwei sporttreibend Vereine in Hemfurth. Schon bald wurde der Spielbetrieb der Fußballer aufgenommen. Von der politischen Gemeinde wurde ein Spielfeld bereitgestellt. Die Jagd nach dem runden Leder hatte auch in Hemfurth begonnen. Am 8. September 1933 kam es dann endlich zur Fusion zwischen Turnverein und Sport – Club. Der neue Vereinsname lautete:

„Turn- und Sportverein Hemfurth 08“

Wenn ich Ihnen eingangs Jahreszahlen nannte, so glaube ich nicht, dass es reiner Zufall war, wenn gerade 1908 mit dem Baubeginn der Edertalsperre, der „Burschenverein“ gegründet wurde, dass 1913 mit Montagebeginn der Maschinen und Turbinen vom Kraftwerk Hemfurth I auch zu gleicher Zeit der „Turnverein“ ins Leben gerufen wurde und nicht zuletzt 1928 mit Beginn der Arbeiten vom Pumpspeicherwerk Waldeck I König Fußball seinen Einzug hielt. Wenn man sich Spieler- und Sitzungsprotokolle anschaut, findet man viele Namen, die durch diese Baumaßnahmen den Weg nach Hemfurth gefunden haben.

Von 1933 – 1937 herrschte reges Vereinsleben, es wurde geturnt, Fußball gespielt, Leichtathletikwettkämpfe bestritten und auch Theaterspiele aufgeführt.

Das die Bäume nicht in den Himmel wachsen, mußte auch die junge Fußballabteilung erkennen. Sicherlich feierte man eine Reihe stolzer Siege, jedoch gab es auch Niederlagen. Bei der Suche nach Schuldigen mußte, – und dass ist heute noch so – , der Schiedsrichter herhalten. So kam man im Spielbericht vom Vorbandspiel am 5. Februar 1933 Hemfurth – Udenborn nachlesen: „Schiedsrichter Fennel; Kassel, hätte besser getan und wäre zu Hause geblieben“. Das Spiel endete 3:4 für Udenborn.

Bei allen Optimismus und guten Vorsätzen der Sportler war nicht abzusehen , welche verhängnisvollen Entwicklung das inzwischen gegründeten Deutsche Reich nahm. Immer mehr Einfluß nahmen die NS Organisationen auf das Vereinsgeschehen. Die Vereinsführung wurde nicht mehr von der Mitgliedschaft gewählt, sondern bestimmt. Der Vorsitzende nannte sich Vereinsführer. Aus dem Protokoll vom 14. Oktober 1933 ist zu lesen: „Alle SA – Mitglieder haben Eintritt frei, alle anderen Bürger, die Mitglied werden wollen, Zahlen eine Reichsmark Eintritt“. Spiel- und Trainingsbetriebe wurden erheblich beeinträchtigt. Für Freistellung von Spielern müßten schriftliche Anträge bei den NS – Parteigremien gestellt werden. Schließlich wurde in der Generalversammlung am 13. Januar 1937 beschlossen, den Spiel und Sportbetrieb vorübergehend einzustellen. Mehrerer Vereine im Edertal und im Raum Wildungen hatten diesen Schritt bereits vollzogen. Keiner konnte ahnen, dass mit diesem Beschluß, – bedingt durch den 2. Weltkrieg – , die sportlichen Betätigungen für 9 Jahre ruhen sollten. Viele Vereinsmitgliedern kamen auf den Schlachtfeldern um oder kehrten schwer gezeichnet nach Kriegsende in die Heimat zurück.

Es dauerte schließlich bis zum 28. April 1946 ehe man in einer Versammlung einen neuen Vorstand wählte.
Doch bevor der Sport – und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden konnte, galt es den Sportplatz wieder bespielbar zu machen. Nach Feierabend sah man Tag für Tag Jugend auf dem wirken. Einige hundert m³ Kies und Erdreich mußten, nach Zerstörung der Edertalsperre mit Hacke und Schaufel, vom Sportplatz geräumt werden. Der sportliche Erfolg der kommenden Jahre sollte für die Akteure der Dank für ihre Arbeit sein. Zwei Fußballmannschaften und eine Damen – Handballmannschaft nahmen den Spielbetrieb im Herbst 1946 auf. Auch das Theaterspielen gehörte wieder zum Vereinsleben. Ein wahrer Spielrausch setzte ein. Spielkleidung war Mangelware. Durch Tauschaktionen hatte man für Spieler und Spielerinnen bald wieder die blauen und weißen Trikots beisammen. 1947 wurde der Verein umbenannt in TSV 08 Hemfurth – Edersee. Man hatte den Namen der Gemeinde Ederseee in den Vereinsnamen aufgenommen. Im gleichen Jahr wurde eine Leichtathletiksparte gegründet. 1948 schließlich die Währungsreform. Der wirtschaftliche Aufschwung war unverkennbar. Mit ihm aber auch die sportlichen Erfolge der Fußballer. Der 14. Mai 1949, ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Durch einen Sieg gegen den SC Diemelsee wurde der TSV 08 Hemfurth – Edersee Kreismeister. Hierzu ein Presse – Auszug.

„Am Sonntag war Hemfurth und Edersee wie ausgestorben. Über 200 begeisterte Fußballanhänger begleiteten Ihre Mannschaft nach Heringhausen am Diemelsee. Das Spiel endete 0:2 für den TSV 08 Hemfurth Edersee. Kreismeister in der B – Klasse 1948/1949 wurde der TSV 08 Hemfurth – Edersee.“ Trainer und Betreuer war Herr Lehrer Brüne. Die Gegner wurden nun stärker, die Spiele schwerer, Niederlagen wurden in Kauf genommen. Dennoch bleibt ein Spiel aus jener Zeit unvergessen.

TSV 08 Hemfurth – Edersee I – SV 09 Korbach

In der Nacht zum Sonntag gingen wolkenbruchartige Regenfälle nieder. Sonntagvormittag wurde von allen Spielern und freiwilligen Helfern der Platz wieder hergerichtet. Das große Spiel gegen den haushohen Favoriten konnte beginnen. Nach 90 Minuten war die Sensation perfekt. Der Krasse Außenmeister TSV 08 schickte den Favoriten SV 09 Korbach mit 3:0 geschlagen nach Hause. Durch viele Spielerabgänge mußte man 1952 aus der A – Klasse absteigen.

Im Jahr 1953 wurde der Spiel- und Sportbetrieb eingestellt. Am 13. Mai 1956 wurde der Spielbetrieb mit einer ganz jungen Mannschaft – in der die drei jüngsten Spieler 16 Jahre alt waren – wieder aufgenommen. Unter Leitung von Willi Gehrmann wurde man 1956 / 1957 Vizemeister und schaffte 1957/1958 bereits den Aufstieg in die A – Klasse.

Im Festzelt am Sportplatz feierte man 1958 „50 Jahre TSV 08 Hemfurth – Edersee“

Man konnte sich 12 Jahre bis 1970, mit unterschiedlichen Plazierungen in der A – Klasse halten. Nach dem Abstieg gab es keine Resignation. Man schaffte unter Trainer Werner Salz den wieder – Aufstieg zur A – Klasse. Über zwei Entscheidungs-spiele gegen die SG Edertal 0:0 in Anraff und einen 4:2 Sieg in Mehlen wurde im Frühjahr 1971 die Meisterschaft der B – Klasse – Süd Hemfurth – Edersee, die ihre Sieger gebührend feierten.

Im Jahre 1966 wurde der Sportplatz 18 m verbreitet und eine Umkleidemöglichkeit mit Wasch- und Toilettenanlage geschaffen. Übrigens die erste Umkleide im südlichem Kreis.

Nach zwei Jahren mußte der TSV 08 wieder in die B – Klasse absteigen. Der Abstieg war auf Überalterung zurückzuführen, da noch sieben Spieler der Meisterelf von 1958 zum Team gehörten. Im Jahre 1978 wurde im Bürgerhaus Hemfurth – Edersee „50 Jahre Fußball beim TSV 08 Hemfurth – Edersee“ gefeiert.

Der Wiederaufstieg in die A – Klasse im Jahre 1980 ist auf eine sehr gute Jugendarbeit zurückzuführen, die von Willi Lingelbach und Willi Mütze 1968 begonnen und von Günter Scheiblich bis 1988 fortgesetzt wurde. Um den damals 36 -jährigen Spielführer Friedhelm Meißner konnten wir eine junge Mannschaft aufbauen, die unter der Leitung von Günther Kittelmann den Aufstieg schaffte. In den letzten acht Jahren ging es mit den Fußballern oft auf und nieder.

Folgend kurz die Berg- und Talfahrt:
1979 / 1980 Aufstieg A – Klasse
1984 / 1985 Abstieg B – Klasse
1985 / 1986 Abstieg C – Klasse
1987 / 1988 Aufstieg B – Klasse
1988 / 1989 Abstieg C – Klasse
1989 / 1990 Aufstieg B – Klasse
1990 / 1991 Aufstieg A – Klasse
1993 / 1994 Aufstieg Bezirks – Klasse
1994 / 1995 Abstieg A – Klasse

Seit 1995 spielte die 1. Mannschaft mit unterschiedlichen Erfolg in der A – Klasse und die 2. Mannschaft in der C – Klasse. Bemerkenswert, der TSV Hemfurth – Edersee ist im Edertal – Wildunger Raum der einzige selbständige Verein.

Nachdem man 1988 – 1993 keinen Jugendleiter hatte, begann 1993 wieder aktive Jugendarbeit, welche bereits zarte Früchte trug.

Im Jahre 1992 schloß sich der 1974 gegründete „Gymnastikclub Hemfurth – Edersee“ dem TSV 08 Hemfurth – Edersee als gleichberechtigte Sparte an.

Im Jahre 1980 wurden in der Mitte der Platzes zwei neue Flutlichtmasten erstellt, wodurch auch im Winter einigermaßen Trainingsbedingungen herrschten.. Verbunden mit einer Sportwoche, feierte der TSV 08 Hemfurth – Edersee 1983 sein 75 – jähriges Vereinsjubiläum, zudem zahlreiche Mitglieder geehrt wurden. Alle die dabei waren, werden sich noch gern an die schönen Stunden erinnern. In den 80ziger Jahren wurden neue Aktivitäten in Form von Fußball – Vereins – Vergleichskämpfen und Sportveranstaltungen getestet.

Seit 1986 bietet der TSV 08 Hemfurth – Edersee unter der Regie von Karl – Heinz Daude und Friedrich – Wilhelm Knüppel jährlich den Edersee – Volkslauf (Abendlauf) an, welcher sich großer Beliebtheit erfreut.

Nach immer wiederkehrenden Reparaturarbeiten am alten Sportheim stellte man schließlich im Herbst 1987 einen Antrag auf Bezuschussung zum Bau eines neuen Vereinsheimes am Land, Kreis, Gemeinde und den Hessischen Fußballverband. Nachdem unser Sportkamerad Eckhard Salz Planung und Zeichnung erstellte, konnten wie im Mai 1993 mit dem Bau beginnen. Am 17. Juli 1993 feierten wir bereits das Richtfest. Am 28. Mai 1994 wurde das neue Vereinsheim eingeweiht und der Öffentlichkeit vorgestellt. Es umfaßt vier Umkleidemöglichkeiten, drei Duschen, eine Sauna, drei Toiletten und einen Gemeinschaftsraum. Das Heim wurde schuldenfrei erstellt.

Als die „vier Aktivsten“ möchte ich die Sportsfreunde Rüdiger Ellenberg, Karl – Heinz Daude, Heinrich Jungermann und Helmut Zwiener erwähnen.

Als letzte Ausführung zur Vereinsgeschichte möchte doch einmal alle bisherigen Vorsitzenden mit Jahreszahlen bekannt geben.
1908 – 1913 Christian Gerlach
1913 – 1914 Lehrer Danz
1914 – 1915 Heinrich Daude
1915 – 1920 Christian Hankel
1920 – 1922 Heinrich Huthwelker
1922 – 1928 Wilhelm Kraft
1928 – 1930 Christian Becker
1930 – 1932 Fritz Grötecke
1946 – 1947 Fritz Gockel senior
1947 – 1949 Fritz Grötecke
1949 – 1950 Fritz Bott
1950 – 1953 Christian Becker
1956 – 1957 Kurt Hartung
1957 – 1959 Karl Hubenthal
1959 – 1975 Christian Becker
1975 – 1987 Robert Theis
1987 – 1989 Karl – Heinz Daude
1989 – 2013 Rüdiger Ellenberg
2013 – **** Dirk Hankel